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Autor Thema: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest  (Gelesen 12748 mal)

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Offline Rikhard Kraftweber

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #45 am: 26. Feb 16, 10:55 »
"Hm, was?" Kydora wandte sich wieder Rikhard zu. "Tschuldige, ich war kurz in Gedanken." Als er darauf zu sprechen kam, dass sie viel Zeit mit Stella verbrachte, wurde sie etwas unsicher.

"Ehm." Sie suchte nach der richtigen Formulierung. "In gewisser Weise schon. Weißt du, Schülerin zu sein ist für mich noch sehr ungewohnt und sie hat immer ein offenes Ohr für mich." Das war nicht mal gelogen. *Das war eleganter als vorhin bei Runa.* Kydora lächelte Rikhard zu und deutete auf die Papiere, die noch auf dem Boden lagen. "Brauchst du noch irgendwie Hilfe bei deinen Sachen?"

"Ehrlich gesagt... gestern hat Delwin meinen Aufsatz über Konzentration für mein Tutorium bei Ardor angezündet, und jetzt hab ich schon wieder meine Fortschritte verloren. Magister Ardor wollte den Aufsatz bis heute Mittag haben, und ich hab keine Ahnung, wie ich das in der Kürze der Zeit noch bewerkstelligen soll."

Rikhard schüttelte den Kopf. "Langsam leiden meine Noten unter diesen Neidern. Vielleicht war die Akademie nicht das Richtige für mich."

Offline Engonien NSC

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #46 am: 26. Feb 16, 11:59 »
Lyra:

"Ein Bericht zu der verschollenen Akademie, das klingt spannend!"
Ihre Augen funkelten leichter.
"Sowohl die Arbeit selber als auch der spätere Bericht. Ich würde mich freuen, wenn ich ihn lesen darf, wenn er fertig ist."
Sie schien einen Moment zu überlegen.
"Wenn es an die praktische Suche gehen sollte, zumindest in diesem Gebäude, dann frag mal Kydora, ob sie dir helfen mag. Solange sie hier auf Magister Teldan wartet, ist ihr, glaube ich, etwas langweilig."
Als das Gespräch auf Rikhard und die Jungs zu sprechen kam, seufzte sie leicht.
"Er sollte sich bald tatkräftige Freunde suchen. Es wird auf Dauer vermutlich nicht bei faulen Äpfeln bleiben. Mich haben sie damals, als ich Schülerin an der Schattenwall war, irgendwann verprügelt."
Ihr Ton war neutral, kein Vorwurf und kein Selbstmitleid. Ein reiner Tatsachenbericht. Als ihr die Stille am Tisch bewusst wurde, brach sie diese:
"Naja, ich hatte denen zu viele Privilegien und sie mochten meine Hautfarbe nicht."
Im letzten Teil ihres Satzes schwang dann allerdings doch eine leichte Bitterkeit mit. Sie trank mit einem letzten großen Schluck ihre Tasse leer.
"Wie dem auch sei, ich hoffe, Rikhard passt auf sich auf. Ich mach mich jetzt auf den Weg in die Bibliothek. Auf bald, Runa. Stella, kommst du direkt mit, oder sehen wir uns später?"
Sie wartete noch auf Antwort, dann verließ sie den Raum.
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Offline Anders

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #47 am: 26. Feb 16, 15:23 »
Runa:

Die junge Magierin schüttelte nur leicht den Kopf. Nein, ein verfaulter Apfel war wirklich nicht die Spitze des Eisbergs... da hatte es schon schlimmere Aktionen gegeben. Weit aus schlimmere.
"Nun... ich fürchte in Rikhardsfall wird es schwierig werden mir dem Freunde finden.", murmelte sie halb laut.
Nicht das sie es ihm nicht schon selbst gesagt hätte, aber Rikhards Ausbrüche waren nun mal ein Problem, dazu kam seine Haltung den anderen Schülern gegenüber und seine zum Teil äußerst arrogante Art. Das er ein talentierter Magier war kam als kleiner nicht ganz unwichtiger Nebenfakt dazu.
Als Lyra meinte das sie ihre Ergebnisse gerne lesen würde, färbten sich die Wangen der Magierin leicht rosa. Im Moment waren es kaum mehr als einige Stichpunkte aus verschiedenen alten Dokumenten. Die Suche gestaltete sich als sehr schwierig, da es wirklich kaum etwas gab wo die Akademie genauer beschrieben wurde.
Der Keller stand auch auf ihrer Liste, aber weniger als Konkreter Ort wo die Bibliothek sein würde. Sie vertraute darauf, das Magister Feuerklinge diesen bereits mehrfach durchsucht hatte und dabei wäre die Bibliothek sicher aufgetaucht. Aber Hinweise konnte es immer geben.
Das es aber Gerüchte gab, dass man zufällig in einen Raum der alten Akademie hineinstolpern konnte unterstützte die Theorie die Magister Feuerklinge ihr gegenüber erwähnt hatte.
Kydora wartete also hier auf Magister Teldan? Merkwürdig. Anscheinend wollte der Magister nicht das sie momentan mit ihm reiste.
Vielleicht würde eine gemeinsame Suche nicht nur die Hinweise erbringen die sie sich erhoffte.
Nur leider war der Keller den Schülern verboten und das sicher aus guten Grund. Bevor sie dort hinunter ging würde sie sich lieber eine Erlaubnis besorgen. Sicher war sicher.
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Offline Jeremias

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #48 am: 28. Feb 16, 17:40 »
Leise ging die Tür zum Speisesaal auf und schlug auf eine kurze Handbewegung des Hereinkommenden krachend zu. Schweren Schrittes stapfte Ezekiel Stauffer, Kanzler der Ayd'Owl, durch den Speisesaal. Genauso wie viele andere Magister wurde ihm normalerweise sein Essen ins Arbeitszimmer geliefert und selten sah man ihn in der von Studenten frequentierten Räumlichkeit.
Schnurstracks marschierte er auf den Tisch zu, an dem Delwin saß. Am Tisch wurde es still und wellenartig wurde es im gesamten Raum ruhig. Kurz schaute Ezekiel den jungen Delwin an. "Scolarius Delwin." Seine Stimme hallte durch den Saal, geschult von langen Jahren. "Ich erwarte von euch in Zukunft ein diesem Hause angemessenes Verhalten. Ich habe durch eines der Fenster euer Verhalten gegenüber Scolarius Rikhard gesehen. Scolarius Rikhard ist einer der besten und fleissigsten Schüler des aktuellen Jahrgangs, daher solltet ihr euch eher an ihm ein Beispiel nehmen, anstatt kindischer Streiche zu frönen. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?" Er wartet kurz, ob Delwin zu Widerspruch ansetzt und nickt dann, offenbar befriedigt, und geht dann leichteren Schrittes aus dem Speisesaal heraus.

Hinter ihm sieht man Delwin die Zornesröte ins Gesicht steigen und wütend blickt er um sich, als die übrigen Schüler ihn anstarren, bis sie ihren Blick senken.

Offline Kydora

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #49 am: 28. Feb 16, 17:46 »
Rasch winkte Kydora ab. "Ich meinte ob ich dir irgendwie noch beim Tragen oder zusammensammeln helfen kann. Aber bei deinem Aufsatz kann ich dir keine Hilfe sein." Und als ob Rikhard wirklich ihr Hilfe bei solchen Aufsätzen wollte. Kydora blickte den Gang entlang.
"Also... Ehm...wenn sonst nichts weiter ist, würde ich wieder auf mein Zimner gehen. Und wenn du mal wen zum zuhören oder so brauchst, meld dich einfach." War war das? Ungläubig über das, was sie Rikhard gerade angeboten hatte verharrte sie in der Bewegung. In ihrer hilfsbereiten Art hatte sie Rikhard ein offenes Ohr angeboten. *Ach er wird es eh nicht annehmen. Es wird in vergessenheit geraten und alles wird wie sonst auch sein* Erleichtert über ihre Erkenntnis, entspannte sie sich. Dann machte sie sich langsam auf den Weg in ihr Zimmer.

Offline Rikhard Kraftweber

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #50 am: 28. Feb 16, 20:14 »
"Kydora, warte!"

Rasch war Rikhard aufgestanden und hatte zu Kydora aufgeschlossen, die schon ein paar Schritte den Gang hinunter gemacht hatte.

"Es gibt tatsächlich etwas, was mir auf dem Herzen liegt."

Dann trat er einen Schritt zurück, und Erstaunen trat in sein Gesicht. Tat er das grade wirklich? Rasch glitt seine Hand in seine Tasche. Der Brief war feucht, auch er hatte Tinte abbekommen. Bedrückt senkte er den Blick.

Offline Kydora

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #51 am: 28. Feb 16, 23:18 »
Kydora blieb stehen und wartete, bis Rikhard bei ihr war. Dann blickte sie ihn verwundert an. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er mehr als nötig mit ihr reden würde. Und jetzt stand da Rikhard vor ihr, der sagte, dass ihm wirklich etwas auf dem Herzen lag. Immer noch verdutzt reagierte sie auf ihn.

"Ehm, klar. Ich hör dir zu." Sie blickte den Flur entlang auf dem nach und nach Schüler entlang kamen, die wohl auf dem Weg zum Frühstück waren. "Hier oder lieber irgendwo, wo es ruhiger ist?"

Offline Rikhard Kraftweber

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #52 am: 29. Feb 16, 13:16 »
"Lieber dort, wo es ruhiger ist. In meinem Zimmer."

Rikhards Kammer war abgeschlossen, und dazu hatte er erkennbar mit einem magischen Bann experimentiert, um andere Schüler fernzuhalten.

Kydora war noch nie in Rikhards Zimmer gewesen.
Als sie durch die Tür trat, konnte sie einen fast penibel aufgeräumten Raum betrachten: vier gleichmäßige Wände. Gegenüber der Eingangstür war ein Fenster, das auf den Innenhof der Akademie zeigte, mit tiefblauen Vorhängen verhangen. An der linken Wand standen mehrere Bücherregale, bis obenhin voll mit Lehrwerken. Alte Bücher, neue Bücher, zerfledderte, frisch gebundene, große, kleine - Rikhards ganze Schätze waren an dieser Wand zu finden. Auch in den Regalen herrschte penible Ordnung: die Bücher nach Themen sortiert, diese wieder alphabetisch. Von "Algorithmik in der Magie: Mathematik gehört dazu!" über "Multifiktionale Dimensionen, Multifiktionalität im Allgemeinen sowie Multifiktionalität in arkanen Anomalien" hin zu "Zynismus: Aversiones contra Magi Inferiori" war einiges in seinem Regal zu finden.

Neben den Regalen hingen Eisengestelle an der Wand, in denen dicke Kerzen steckten, und in jeder Ecke des Zimmers standen weitere, vielarmige Kerzenständer mit Kerzen in allen Farben. Die rechte Wand wurde von einem Wandteppich bedeckt, der eine Gruppe Elfen zeigte, die ein Ritual in einem Wald durchführten, vermutlich im Lorinan. Direkt davor stand ein wuchtiger Schreibtisch, auf dem verschiedene Federn, Tintenfässer, Pergamente, Bücher und Papiere lagen. Ein begonnener Brief lag dort, in Rikhards großen, schwungvollen Buchstaben beschrieben.

Vor dem Fenster stand Rikhards Bett, recht klein, aber ordentlich gemacht, und eine schwere Holztruhe, die seine Kleidung enthielt. Die Truhe war bemalt, zwar in dunklen Tönen, aber letztendlich doch bunt. Alles in allem war Rikhards Zimmer ordentlich, aber doch verzierter, fröhlicher, einfach bunter, als man es wohl von einem wie ihm erwarten würde.

Während Kydora sich noch im Raum umsah, räumte Rikhard einen Holzstuhl frei, legte ein dickes Kissen darauf und bot ihn Kydora an, während er selbst sich vor seinen Schreibtisch setzte.

"Die anderen Schüler machen mir zu schaffen. Ich werde die Arbeit für Ardor nicht beenden können, und ich fürchte, das wird er streng benoten. Aber das sind Kleinigkeiten, das ist nichts, was ich nicht... schaffen könnte. Nein, was mir wirklich am Herzen liegt, ist etwas ganz anderes."
« Letzte Änderung: 29. Feb 16, 13:20 von Rikhard Kraftweber »

Offline Kydora

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #53 am: 29. Feb 16, 16:41 »
Etwas unsicher stand Kydora in Rikhards Zimmer und blickte sich um. Es wirkte alles so perfekt ordentlich. Vor allem im direkten Vergleich mit ihrem eigenen Zimmer, dass sie in der Ayd Owl bezogen hatte. Doch Kydora war auch verwundert. Sie hatte erwartet, dass sein Zimmer strukturiert und ordentlich sein würde. Aber... Bunt? So gar nicht trist? Sie schüttelte den Kopf. Dann nahm sie unsicher auf dem Stuhl platz, den Rikhard ihr angeboten hatte. Neugierig und doch etwas skeptisch lauschte sie ihm. *Ihm liegt etwas anderes auf dem Herzen?* Als er fertig war, hob sie eine Augenbraue und sah ihn fragend an. Wie war sie hier eigentlich reingeraten? Sie saß in Rikhards Zimmer und schenkte ihm ein offenes Ohr. Rikhard, der sie absolut nicht leiden konnte. Und auch sonst war diese Situation gerade unfassbar absurd. *Bitte lass es nichts Kompliziertes sein. Bitte.* Immer noch unsicher, ob dem was da kommen würde, antwortete sie ihm.
"Also wie gesagt. Ich sitze hier und hör dir zu. Habs dir ja angeboten."

Offline Rikhard Kraftweber

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #54 am: 29. Feb 16, 21:10 »
"Ich habe hier etwas gefunden."
Rikhard kramte im Bücherregal. Ihm war bewusst, dass Kydora sich unbehaglich fühlte, also wollte er die Sache schnell hinter sich bringen.
"Wo ist es denn nur.. da!"
Als er sich umdrehte, hielt Rikhard ein in dickes, abgewetztes Leder gebundenes Buch in den Händen. Mit einem dumpfen Geräusch fiel es auf den Tisch.


"Die Genealogie der Stämme Silvanajas. Ich wollte es erst wegwerfen, weil mir das Wissen, was in diesem Buch steckt, nicht gerade gefällt. Was schert mich schon Silvanaja? Aber dich, dich interessiert es. Und auch wenn ich es für barbarisch halte, dass du nach wie vor dein Gesicht mit Farbe beschmierst, um irgendwelche Stammesriten zu befolgen, so bist du doch jemand, der zumindest mit mir redet. Ich finde, ich sollte das belohnen."

Ganz ernsthaft sah Rikhard Kydora grade ins Gesicht. Wenn es so etwas wie 'unschuldige Arroganz' gab, dann war er nun ein Paradebeispiel dafür. Sein Gesichtsausdruck sagte ganz offen, dass er sich für besser, schlauer, intellektueller als Kydora hielt. Aus seinen Augen war sein Geschenk kostbar, die wertvolle Gabe des Herrschers an einen Untergebenen. Gespannt lächelte er Kydora an. Sie würde sich doch gewiss freuen?

Offline Kydora

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #55 am: 29. Feb 16, 22:11 »
Fassungslos starrte Kydora das Buch an, das nun vor ihr lag. Sie war aufgestanden und an den Tisch gegangen, um es besser sehen zu können. "Belohnen?" Das war das einzige, was Kydora darauf zu sagen wusste. Als sie dann auch noch Rikhards Gesichtsausdruck sah, atmete sie merklich ein. *Dieser arrogante eingebildete... Naaarf* Ein kurzer Moment verging, in dem niemand was sagte. Er reichte aus, dass Kydora sich sammeln konnte. Sie streckte den Rücken durch und sah Rikhard an. Es kam nicht oft vor, dass man bei Kydora diesen Gesichtsausdruck zu sehen bekam, aber auch bei ihr sah man jetzt eine leichte Überheblichkeit im Blick.
"Rikhard, du hast echt absolut keine Ahnung, wie man mit Menschen umgeht, oder?" Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr sie fort. "Wenn jemand bereit ist, mir dir zu reden, dann tut derjenige das aus freien Stücken und du kannst dich glücklich schätzen, dass mit dir überhaupt wer redet. Das ist nichts, was man 'belohnen' müsste. Im Gegenteil Rickhard. Im Gegenteil. Durch solche Verhaltensweisen, wie du sie an den Tag legst, machst du es dir eher kaputt." Sie deutete auf das Buch und hatte sich mittlerweile warm geredet. "Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann schenk es mir doch einfach, so wie jeder andere es auch tun würde. Menschen tun sich einander Gefallen und nette Gesten. Da gibt es keine Verhaltensweisen, die man 'belohnen' müsste." Sie deutete auf einen Holzanhänger, der an einer Kette um ihren Hals hing. "Den zum Beispiel habe ich geschenkt bekommen mit den Worten 'Ich habe ihn gesehen und dachte er könnte dir vielleicht gefallen'. Einfach so. Dieser Mensch wollte mir einen Gefallen tun. Nett sein. Nichts weiter." Kydora wurde wieder ruhiger und ihr Blick trübte sich etwas bei dem Gedanken an die Person, von der sie den Anhänger bekommen hatte. Dann wandte sie sich wieder Rikhard zu. "Menschen sind keine Tiere, die du zu irgendwas erziehen musst, Rikhard. Und du bist in keinster Weise was besseres als ich, auch wenn du dich gerne so aufführen magst. Lern erstmal wie man mit Menschen umgeht. Ich mag vielleicht geduldig sein, aber andere sind es nicht. Und irgendwann wirst du alleine sein, und niemand wird da sein, der sich um dich sorgt. Schau, dass du Freunde findest, aber merke dir: kaufen wirst du sie nicht können." Ihre Hand war auf das Buch gewandert und strich behutsam über den Ledereinband. "Ich würde ohne meine Freunde jetzt nicht hier stehen können..."

Offline Rikhard Kraftweber

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #56 am: 29. Feb 16, 22:26 »
Rikhard wich zurück, bis er an sein Bett stieß, das Gleichgewicht verlor und wenig elegant auf seiner Matratze landete. Im Sitzen wirkte er sehr würdelos, also stand er rasch wieder auf, um Kydoras wütendem Blick zu begegnen. Nett sein - Anhänger - Freundschaft - aber - aber ich wollte doch wirklich nur nett sein!

Wut erfüllte ihn. Dieses Buch hatte ihn mit Abscheu erfüllt, ihn an seine Herkunft erinnert, aber auch an Kydora. Anstatt dieses Buch wegzuwerfen, hatte er es ihr schenken wollen, denn ihr würde es doch gefallen - und vielleicht würde sie nach der Lektüre dieses Buches auch endlich einsehen, wie unmäßig primitiv diese Stammessitten sind! Wie undankbar sie doch war! Wie kalt und undankbar. Und wie sie überhaupt mit ihm sprach, dieser Tonfall, den verbat er sich!

Aber er schwieg. So wütend er war, er schwieg. Er traute sich nicht, auszusprechen, was er dachte. Er hatte Angst, Kydora würde den Raum verlassen. Und er würde, wie so ziemlich jeden anderen Abend auch, alleine sein. "Schau, dass du Freunde findest, aber merke dir: kaufen wirst du sie nicht können." In ihm brannte ein Kampf, zwischen dem arroganten, überheblichen Rikhard, und dem Rikhard, der einfach nicht noch einen Abend alleine, schweigend in seiner Kammer verbringen wollte.

Er hob an zu sprechen, öffnete den Mund, doch kamen keine Worte heraus. Rikhard Kraftweber war - sprachlos.

Offline Kydora

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #57 am: 29. Feb 16, 22:48 »
Ihr Blick glitt von dem Buch unter ihrer Hand zu Rikhard herüber. Sie bemerkte, wie er ansetzte, um etwas zu sagen, aber es kam nichts. Kydoras Blick wurde weich. Irgendwie tat er ihr... leid? *Er kann ja nichts dafür, dass er keine Ahnung hat.* Sie seufzte. *Was tu ich hier eigentlich gerade?* Sie griff das Buch und hielt es Rikhard mit einem Lächeln hin. "Los, versuchs nochmal...und versuch das Wort 'belohnen' dieses Mal zu vermeiden. Wir üben das jetzt." Sie meinte diese Geste wirklich aufrichtig und in ihr war keine Spur von Überheblichkeit zu sehen. Abschätzend wartete sie Rikhards Reaktion ab.

Offline Rikhard Kraftweber

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #58 am: 01. Mär 16, 13:23 »
"Das meinst du völlig ernst, nicht wahr?"

Rikhard seufzte, dann ließ er sich auf seinen Stuhl fallen. Mit einer Hand strich er über den Einband des Buches.

"Silvanaja. Es verkörpert alles, was ich hasse, und gleichzeitig ist es meine Herkunft. Ein Mann wird durch seine Kindheit geprägt. Das weiß ich. Durch seine Familie, seine Freunde, sein Umfeld, einfach alles. Kulturelle Sitten, Manierismen, 'Habilitas', all das macht einen Menschen aus. Und dadurch wird ein Mensch eingeengt in ein enges Korsett. Man handelt, wie es einem beigebracht wurde. Alles, was ich gelernt habe, ist, dass Menschen einen verachten, einen fürchten, wenn das, was man ist und was einen ausmacht, nicht in den Begriff von Normalität passt, der grade vorherrscht. Ich, ein Magier, ein Mann von Welt, gebildet, intellektuell, klug, von rascher Auffassungsgabe, habe in einem Dorf von Wilden nichts verloren. Und doch bin ich dort aufgewachsen. Und vertrieben worden. Nun komme ich hierhin, an die Akademie. Ein heiliger Ort des Wissens, der Bildung, der Magie, umrankt von Legenden, voller Macht! Hier gehöre ich hin. Ich bin mit dem Wissen aufgewachsen, der Klügste zu sein. Der Beste. Schlicht besser als alle anderen. Und hier ist es immer noch so: ich bin klüger. Fleißiger. Die Lehrer sind voll des Lobes über mich. Aber wieder sind die anderen neidisch. Kleingeister, so wie - " Du. Das verkniff Rikhard sich rasch. "Delwin. Ja, so wie Delwin."

Wieder und wieder glitt seine Hand auf dem Einband auf und ab. Schließlich ballte er sie zur Faust. Mit einem Ruck stand Rikhard auf.
"Nimm es schon. Es gehört dir. Silvanaja ist deine Herkunft, nicht meine."

Offline Kydora

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Re: Geteilter Hausarrest ist (nicht) halber Hausarrest
« Antwort #59 am: 02. Mär 16, 11:08 »
Geduldig beobachtete Kydora ihn bei seinen Ausführungen. Es tat ihr Leid ihn so zu sehen. Sie wusste, wie sehr er seine Heimat hasste, das hatte er ihr bereits deutlich gemacht. Und dennoch. Von allen Schülern war sie es nun, die in seinem Zimmer stand und mit ihm redete. Eine Silvanajerin. Das Schicksal spielte manchmal merkwürdig mit einem. Freudig nahm sie das Buch an sich. "Danke dir. Ich freue mich wirklich sehr über das Buch." Neugierig fing sie sofort an, in dem Buch zu blättern. Sie blieb an einer Zeichnung hängen, die einen Teil der silvanajischen Landschaft zeigte. In Gedanken versunken murmelte sie: "Und vor allem kommt es genau zur richtigen Zeit, wo ich doch momentan in dieser Akademie festsitze..." Schlagartig gefroren ihre Gesichtszüge und sie verharrte in der Position. *Mist.* Schnell hatte Kydora sich wieder gesammelt und blätterte jetzt weiter in dem Buch. Sie ignorierte, dass ihr der letzte Satz rausgerutscht war, so versuchte sie doch, das Thema möglichst zu vermeiden.