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Autor Thema: Vorbereitungen für die Tage des Lernens  (Gelesen 385 mal)

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Offline Jeremias

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Vorbereitungen für die Tage des Lernens
« am: 08. Dez 19, 07:51 »
Der Kanzler marschierte zielsicher die knarzende Treppe herunter. Mit einem wohlwollenden Blick begutachtete er die frisch geputzten Böden. Er warf einen schnellen Blick in die Bibliothek, bevor er das Hauptgebäude verließ und Richtung Tavensa ging. Dort angekommen, nickte er geistesabwesend den paar Scolarii zu und schaute sich noch einmal prüfend um. Ja, alles war bereit für die Tage des Lernens.

Tapsende Füße und ein glucksendes Lachen warnten ihn vor und er drehte sich um und nahm den kleinen Wildfang in den Arm, der ihm entgegenkam. Lächelnd schaute er in das strahlende Gesichtchen des kleinen Mädchens, schloss kurz die Augen und dachte an den Tag, als er unverhofft und unerwartet Vater wurde...

...es war ungewöhnlich kalt gewesen in Engonia, zumindest für den fünften Monat, nichtsdestotrotz hatte er die Reise auf sich genommen. Selten erhielt er noch Briefe von seinen alten Kollegen aus der Senatszeit, so manche waren in Konars Zeit umgekommen. Die Magistra, die er gerade besucht hatte, war damals noch eine einfache Scolaria gewesen und hatte sich zu Konars Zeiten nach Hanekamp zurückgezogen. Dort hatte sie für einen der hanekampschen Adeligen gearbeitet und hatte sogar einen Lebenspartner gefunden. Doch leider war das Glück nicht von Dauer gewesen und nur dank einiger Freunde war die junge Frau mit ihrer neugeborenen Tochter geflüchtet. Allerdings hatte sie irgendein verfluchter Inquisitor mit etwas Unbekanntem und Heimtückischem verletzt, was viel zu spät erkannt wurde und ihr die gesamte Lebensenergie gestohlen hatte.
Und nun stand Kanzler Ezekiel Stauffer, Junggeselle und 49 Jahre alt, vor einem Gasthaus, im Arm ein 8 Monate altes Kind, dessen Mutter gerade ihre letzten Atemzüge gemacht hatte und der er versprochen hatte, sich um das Mädchen zu kümmern...

...und Ezekiel öffnete die Augen wieder und hörte das ungeduldige „Dadadada“ der kleinen Anastasia, die er inzwischen wie eine Tochter großzog. Niemals, dachte er lächelnd bei sich, hätte ich erwartet, dass ein Gefallen so eingefordert wird. Und während er sich vom Tavensapersonal einem Keks für die Kleine geben ließ, ging er wieder die Sätze durch, die er bei der Eröffnung zur Bedrohung durch die Inquisition sprechen wollte.