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Autor Thema: Ein Abendspaziergang  (Gelesen 1144 mal)

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Offline Rikhard Kraftweber

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Ein Abendspaziergang
« am: 01. Mär 17, 14:09 »
Es schneite in Fanada. Zugegeben, das tat es jeden Winter, aber diesesn Winter hatte es ein wenig mehr geschneit als sonst. Selbst jetzt, so nah am Frühling, fielen noch dicke Flocken vom Himmel. Rikhard raffte seine dunkle Robe enger um sich. Der dicke Stoff war völlig glatt gebügelt, und irgendwie hatte Rikhard es geschafft, dass der Saum fast unberührt vom kalten Weiß geblieben war. Dabei war er bereits eine gute Zeit unterwegs. Er hatte, nachdem sein Tagewerk vollbracht war, die Räumlichkeiten der Akademie verlassen und hatte sich auf den Weg zu Adara gemacht.
Die beiden waren bereits seit einiger Zeit miteinander verabredet gewesen, aber Rikhard hatte die junge Frau ein ums andere Mal versetzt, weil natürlich seine Arbeit als Assistenz der Akademieleitung deutlich wichtiger gewesen war. Nun jedoch hatte er endlich die Zeit gefunden, um sich noch bei Tageslicht zu ihrem Treffpunkt aufzumachen.

Außerhalb der Stadtmauern Fanadas lagen die Felder und Wiesen unter einer weißen Schneedecke. Umsichtig ging Rikhard ein wenig abseits der großen Straße, die zu den Toren führte - schließlich war dort der Schnee längst zertrampelt, und einzelne Pflastersteine lugten unter dem braunen Schneematsch hervor. Nein, lieber hatte er einen etwas beschwerlicheren Weg, als diesen Dreck an seiner schönen Robe.
Es dauerte gar nicht mehr lange, da kam das Gasthaus in Sicht. Der Wirt verdiente gutes Geld damit, Reisende zu beherbergen, die des Nachts in Fanada ankamen und vor verschlossenen Toren standen. Sein Sohn, ein eher tumber Bursche, wie Rikhard fand, lernte an der Ayd'Owl, und seit Rikhard diesem Sohnemann mit seinen Aufgaben geholfen hatte, war er in dem Gasthaus gar nicht so ungern gesehen.

Er betrat also den Schankraum und begab sich in eine ruhige Ecke. Keine fünf Minuten hatte er gewartet, als der Vorhang, der den Raum vor der Zugluft der Türe schützte, zurückgeschlagen wurde, und eine in dicke Wolle gekleidete Person eintrat.

Adaras Haut war immer noch schneeweiß. Aber sie war nicht mehr so ausgemergelt, wie Rikhard sie kennengelernt hatte. Im Gegenteil. Sie war nicht fett, gewiss nicht, aber selbst unter ihrer warmen, aber unförmigen Kleidung konnte Rikhard einige gewiss schöne Kurven erahnen. Sie begrüßte ihn freundlich, dann sah sie ihn erwartungsvoll an.
"Rikhard! Seid ich auf diesem Hof arbeite, haben wir uns nicht mehr gesehen, und du hast kaum von dir hören lassen. Wie ist das Leben an der Akademie? Was treibt dich überhaupt her?"

Offline Engonien NSC

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Antw:Ein Abendspaziergang
« Antwort #1 am: 20. Mär 17, 12:27 »
Das Gespräch, das sich zwischen Adara und Rikhard entspannte, war im Grunde angenehm und flüssig - aber Rikhard stieß immer wieder an seine Grenzen, was zwanglose Kommunikation anging. Adara nahm es ihm jedoch nicht übel.
Sie hatte bereits verstanden, dass Rikhard nicht gerade der einfachste Mensch war. Aber sie hatte nicht vergessen, dass er ihr geholfen hatte, und dafür war sie ihm auch dankbar. Es hatte bereits mehrere dieser Treffen gegeben, auch wenn das Letzte nun einige Zeit her war. Rikhard erzählte Adara von den anderen Schülern und wie sie ihn ärgerten. Er hatte ihr auch berichtet, wie gut seine Forschungen voran schritten und dass er außergewöhnlich gute Noten einfuhr.

Er schien das zu brauchen. Diese Selbstbestätigung. Und Adara tat es nicht weh, ihm diese zu geben. Und so lauschte sie einmal mehr dem Magier, während er ihr von den Ereignissen von den Tagen des Lernens erzählte. Aber irgendetwas war anders. Dieses Mal erging sich Rikhard nicht in arroganten Tiraden über seine Fähigkeiten und über andererleuts Unfähigkeiten. Stattdessen fiel der Schönen von der Insel der Stürme auf, dass der Magier nachdenklich wirkte, introvertierter - aber irgendwie auch befreit.

Sie ließ ihn noch eine Weile reden (irgendetwas über eine Vorlesung mit Zwiebelkisten), bis sie ihn schließlich unterbrach:
"Du scheinst ja wirklich Spaß gehabt zu haben, Rikhard. Wie kommt's?"
Allzweck-NSC für das Forenrollenspiel im Engonien Forum

Offline Rikhard Kraftweber

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Antw:Ein Abendspaziergang
« Antwort #2 am: 19. Apr 17, 13:51 »
"Ich habe Fehler gemacht."
Rikhard lächelte, während er diese Worte sprach. Dann erzählte er ihr davon, dass er hinter dem Rücken der Magister dieses Ritual durchgeführt hatte - und wie er durch seine eigene Dummheit aufgeflogen war.
"Aber wenn ich so daran zurückdenke - es war gut, dass ich damit nicht durchgekommen bin. Ich habe einiges dadurch gelernt."

Auf Adaras Frage, was Rikhard denn mit diesem Ritual erreichen hatte wollen, gab es nur Schweigen.
"Ich bin nicht stolz darauf", sagte der Magier nach einer Weile. "Nein, das bin ich wirklich nicht. Und ein Teil von mir wünscht sich immer noch, ich hätte es nicht getan. Es ist schon ein wenig ironisch: eine Person reicht mir die Hand, ich schlage diese Hand aus - aber sie reicht mir die Hand erneut, und dann schlage ich zu, mit aller Gewalt. Ich habe viele wichtige Erkenntnisse gewonnen. Über mich selbst, aber vor allem darüber, wie Menschen funktionieren. Wie man miteinander anstatt nebeneinander lebt. Ich habe erkannt, dass ich Angst vor anderen hab, Angst davor - verletzt zu werden. Und nun mache ich meine ersten Gehversuche."

Dann fiel Rikhard auf, dass das, was er Adara grade erzählte, sehr vertraulich war. Dass er ihr - vertraute. Unsicher suchte er ihren Blick und versuchte, in ihren Augen zu lesen. Aber Adara kicherte nur. Ein helles, fröhliches Kichern, und unbeschwert wie ein Windhauch stand sie auf, schritt zu ihm herüber, setzte sich neben ihn und griff nach seinen Händen.
"Rikhard", sprach sie, "du bist ein schlauer Kopf. Aber du musst wirklich noch ganz viel lernen."