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Autor Thema: Kontor im Frühjahr 269 n.J  (Gelesen 1416 mal)

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Offline Jelena

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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #30 am: 08. Sep 19, 11:18 »
Jelena sah ihn abschätzend an. Sie schien abzuwägen wie viel Wahrheit genau Ulrich vertragen würde.
Schließlich zuckte sie ein wenig mit den Achseln, ganz so als ob sie sagen würde:
Wer A sagt...

"Damian starb im Taurelilorian... oder war es der Wald von Arden? Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Ort, ich müsste in meinen Notizen nachschlagen. Die Tatsache, dass er aktuell lebend unter uns weilt, ist der Opferbereitschaft seiner engsten Freunde zu verdanken, namentlich Talon Himmelssturm, der sein Leben dafür gab... ich war damals nicht dabei, ich habe erst hinterher davon erfahren. Aber wie es scheint, handelte es sich um eine Prüfung der Götter und Szivar deckte Lorainnes Lüge auf... Simon war außer sich. Bedenke, dies war nicht der Simon den du Jahre später kennen gelernt hast. Simon konnte sich damals nur an einige wenige Dinge klammern die ihn davon abhielten völlig im Suff zu versinken und eines davon war seine Ehre. Es kam zu einem Standesgericht. Es ging hin und her, aber letztlich akzeptierte Simon Lorainne als Knappen, da sie ihre Schwüre ihm gegenüber ausnahmslos gehalten hatte. Aber er konnte ihr nicht vergeben, dass sie ihn angelogen hatte, also verkündete er, dass er sie zum Ritter ausbilden würde. In dem Augenblick aber, in dem sie ihren Ritterschlag erhielt, würde er sie fordern in einem Kampf auf Leben und Tod, um die Götter entscheiden zu lassen wer von ihnen im Recht war..."
"Schmuggeln? Ich bin reich genug um zu bestechen, ich muss nicht Schmuggeln!"

Offline Ulrich

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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #31 am: 10. Sep 19, 07:45 »
Er war einige zeit sprachlos.
 Damian lebte also nur weil ein anderer Tod war.... genau wie er selbst.
Er riss sich aus seinen Gedanken und dachte an die weiteren Worte von Jelena.

"Auf Leben und Tod? Das ist etwas was ich noch nie verstanden habe. Eine junge Frau verfolgt ihren Traum und würde dafür alles tun und soll am in einem Zweikampf mit ihrem Lehrer sterben?! Ich kann dieses Ehrverhalten einfach nicht verstehen...."
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(Andrija Talic)

Offline Jelena

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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #32 am: 10. Sep 19, 11:04 »
Jelena sah ihn an als ob er etwas Blöde sei:
"Dir ist aber schon klar, was Knappe sein bedeutet, ja?"
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Offline Ulrich

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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #33 am: 11. Sep 19, 20:31 »
Sein Miene wurde ernst.

"Ja ich weiß was es heißt. Das heißt aber nicht diese Art von Ehre verstehen muss. Ehre ist in jedem Land etwas anderes...ach sogar in jeder verdammten Stadt kann Ehre schon etwas anderes bedeuten. Ich kenne Simon nicht ausreichend genug um mir auzumalen warum er diese Entscheidung getroffen hat. "
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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #34 am: 12. Sep 19, 01:14 »
Jelena sah ihn weiterhin etwas verzweifelnd an.
Warum muss ich mich eigentlich um so etwas kümmern? Wären da andere nicht geeigneter für?
"Du hast insofern recht, als das der Ehrbegriff in vielen Ländern was anderes bedeuten kann. Und du hast auf spektakuläre Weise Unrecht, wenn du vom Rittertum sprichst. Egal aus welchen Teilen der weiten Welt die Ritter kommen, die dir zukünftig begegnen werden, sie alle werden im Kern den selben Tugenden folgen. Seien sie nun aus Liebenstein, aus Allerland, aus Caldrien oder Karkow. Sie mögen die Tugenden anders benennen, es wird unterschiedliche Kodizes geben und andere Götter, die über sie wachen, aber sie werden sich immer im Kern gleichen und einander erkennen. Und eine dieser Tugenden ist die Ehrlichkeit. Lorainne wollte den Pfad des Ritters einschlagen und begann diesen Weg mit einer Lüge. Dies musste gesühnt werden, denn sonst wäre ihre gesamte Ausbildung eine Farce gewesen. Verstehst du das?"
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Offline Ulrich

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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #35 am: 12. Sep 19, 19:45 »
"Ja, aber sind nicht  auch Barmherzigkeit und das Maß Tugenden des Ritters? Ist es das rechte Maß jemanden vielleicht zu töten für eine Lüge und wäre es nicht Barmherzig gewesen eine andere Art der Bestrafung zu wählen... aber wie gesagt dafür kenne ich Simon nicht gut genug.
Aber wie verlief dieses Duell und wer gewann?"
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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #36 am: 17. Sep 19, 12:10 »
"Barmherzigkeit kann viele Gesichter haben, Ulrich. Es wäre in Simons Recht gewesen Lorainne zu verstossen und sie der Schimpf und Schande ihres gesamten Standes auszusetzen, sie und ihre gesamte Familie mit Schmach zu überziehen. Das hat er nicht getan. Er hat den Weg gewählt, der sie alle in dem Augenblick ihre Ehre wahren ließ: sie in ihrem Stand als Knappe und erste Frau Firngards seit Generationen die ihn tragen durfte und er in seinem Stand als Ritter, der sich seiner Verantwortung wohl bewusst ist und zeigt, dass ihn niemand ungesühnt narren darf. Du vergisst, dass wir von Firngard sprechen, Ulrich. Simon konnte seinen Namen genau so wenig riskieren, denn sonst wären beide zu Ausgestoßenen geworden."
Sie groß noch einmal Tee nach und nippte an ihrem Becher, offenbar überlegte sie wie sie weiter machen sollte.
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Antw:Kontor im Frühjahr 269 n.J
« Antwort #37 am: 17. Sep 19, 12:28 »
"Die Schlacht um Engonia wurde geschlagen. Sie war... furchtbar. Wir waren nicht bei der eigentlichen Schlacht, wir haben dafür gesorgt, dass das Kraftfeld, hinter dem sich die Stadt befand, ausgeschaltet wurde. Es war wie durch Melasse waten, bis wir endlich erreichten was wir erreich wollten. Der falsche Kaiser starb und Kassos trennte seinen Kopf ab und spießte ihn auf... damit auch jeder sah, was mit ihm geschehen war und keiner Legenden über seine vermeintliche Flucht spinnen konnte."
Sie schauderte leicht und begann sich die Ärmel runter zu rollen. Weniger weil ihr kalt war, als vielmehr weil die Erinnerungen sie überrollten.
Sie war bereit gewesen dort zu sterben. Bereit ihren jahrelangen Kampf gegen Tior aufzugeben, ihm endlich zu geben wonach ihm jahrelang gelüstet hatte. Aber Kassos hatte das nicht akzeptieren können und stattdessen eine Verbindung zwischen ihnen geschmiedet die nicht einmal der Tod aufheben würde.
"Nachdem die Kämpfe vorbei und die Verwundeten gesichtet waren, ließ Simon Lorainne nieder knien und schlug sie zum Ritter. Sie stand auf als Chevalier Lorainne de la Folie des Joux und nahm die doch sehr verhaltenen Gratulationen entgegen. Denn wir alle wussten was als nächstes geschehen würde: Simon schlug ihr ins Gesicht und forderte sie zum Kampf bis zum Tode, auf das die Götter entschieden wer von ihnen beiden die größere Sünde begangen habe."
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