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Autor Thema: Boten für Feuerklinge  (Gelesen 693 mal)

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Offline Svenja

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Antw:Boten für Feuerklinge
« Antwort #30 am: 21. Jan 20, 20:17 »
Als ihr Gemahl ihr die Schriftrolle reichte, lächelte sie ihm dankbar zu, denn sie wusste dieses Vertrauen zwischen ihnen zu schätzen. Während er mit den Augen den Brief überflog beobachtete sie ihn aufmerksam, um an seinen Reaktionen erkennen zu können, wie gut oder schlecht die Botschaft darin sein möge.
Svenja hasste es unter den Augen aller, Überraschungen zu empfangen, weshalb sie zunächst etwas Zeit schinden wollte, doch als wären ihre Fingerspitzen von jemand anderem geleitet, spielten sie bereits mit dem Wachs des Siegels, um dieses zu brechen, obwohl ihre blauen Augen weiterhin auf Gorix gerichtet blieben.

Online Berengar von Thurstein

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Antw:Boten für Feuerklinge
« Antwort #31 am: 21. Jan 20, 20:50 »
Die Rolle, welche in Svenjas Händen zu liegen kam, wog schwer, und das Pergament, aus dem sie bestand, war grob, nur mit einem scharfen Messer glatt gewetzt. Das Siegel darauf bestand aus tiefblauem Wachs, in welches eine kunstvoll gearbeitete Fontäne geprägt worden war. Selbige Fontäne war danach mit einem silbrigen Lack bestrichen worden. Den Brief, den Gorix erhielt, war auf die selbe Art gesiegelt worden.

Nachdem er das Siegel erbrochen hatte, zeigte sich eine feine, ausdrucksstarke Handschrift.

"An seine Hochgeboren, Gorix, Baron von Feuerklinge,
Stellvertretender Kanzler der Akademie Ayd Owl zu Fanada,
und seine Gemahlin,
ihre Hocgeboren, Svenja, Baronin von Feuerklinge,
Ricke der göttlichen Herrin Nedra.

von der Hand des Nathaniel Hendrick, Graf von Quellengrund,
Baumeister des Ostens, im Jahre 269 nach Jeldrick
auf seinem Stammsitz Quellengrund in den Ostmarschen.

Edler Baron, Edle Baronin, teure Freunde der Ostmarschen.

In der Stunde der Not meiner zum Schutz befohlenen Untertanen und meiner geliebten Stadt,
in den Tagen des Schreckens, welche vom Angriff auf den Stammsitz des Hauses Quellengrund
geprägt und überschattet waren, strecktet Ihr, ohne die Meinen oder mich zu kennen,
die Hand in Freundschaft und zum Schutze aus, und lindertet das Leid der Hinterbliebenen
und Entwurzelten, ohne dafür Lohn oder Dank zu fordern.

Lichttal ist kein armes Reich, doch sind die Winter hart und die Sommer kurz. Die Ernten füllen in guten
Jahren unsere Speicher und bringen uns durch den Winter. Doch als diese Stadt und vieles in ihr ein Raub
der Flammen wurden, standen uns Hunger und Elend ins Haus. Das Reich brachte auf, was es aufbringen konnte,
und sicherlich hätten wir es auf die eine oder andere Art geschafft, und uns lange nicht davon erholt.

Durch Eure Hilfe und Eure Freigiebigkeit kamen Quellengrund und Hammerthal durch diesen Winter,
ohne Angst vor einem kargen Sommer. Ihr schenktet uns Hoffnung und standet an unserer Seite.

Nun berichtet mir mein erster Ritter, Herr Berengar von Thurstein-Köhlersruh,
von den Drohungen der Inquisition des Alamar, von der Fehde und dem Krieg gegen den Herzog von Hanekamp,
der sich an Land, Leuten und Frieden Eures Lehensherrn vergreift, vom Tod aufrechter Männer und Frauen,
von den Umtrieben finsterer Mächte, und von Eurem Kampf.

Und so sehe ich eine Gelegenheit. Eine Gelegenheit euch einen kleinen Teil dessen zurück zu geben, was Ihr uns
gegeben habt. Eine Hand in Freundschaft, und in dieser Hand vielleicht eine Erleichterung für Euch.
Lehenstreue bedeutet Steuerlast, sie bedeutet Abgaben und sie bedeutet Wehrpflicht. All dies kann durch Güter und Taten
erbracht werden, und wenn Güter und Taten durch Kriegsgefahr gebunden sind, durch klingende Münze.

Wisset, dass in diesem Augenblick Boten auf dem Weg zu Euch sind, an Euren Hof, um Euch auf mein Geheiß die Kriegskasse
zu füllen, und die Steuertruhe für Euren Lehensherrn. So lange dieser Krieg andauert, werden sie den Weg an Eure Schwelle suchen und
Euch meinen Dank in eure Truhen legen.

Mögen die Götter Euer Haus und Euer Geschlecht segnen, und mögen wir alle eure Feinde schon bald auf den Knien sehen.

Nathaniel Hendrick, Graf von Quellengrund."
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

"Jemand, der behauptet, er kenne keine Furcht, ist entweder ein Narr, oder ein Lügner."

Offline Svenja

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Antw:Boten für Feuerklinge
« Antwort #32 am: 22. Jan 20, 21:52 »
Svenja legte die schwere Pergamentrolle vor sich auf den geölten Holztisch und hörte mit geweiteten Augen ihrem Gemahl beim Verlesen des Briefes zu. Sie wusste, dass es auf dem politischen Parkett nicht als selbstverständlich galt, andere Länder in harten Zeiten zu unterstützen, sondern der eine Gefallen einen anderen erwartete, doch sie selbst kam aus ärmlichen Verhältnissen und wusste jede noch so kleine Münze zu schätzen. Sie gab mit Freuden für Freunde ihr letztes Hemd her und benötigte selbst lange nicht viel zum Leben. Daher war es für sie keine Frage von Politik gewesen, als Berengar eines Abends, vor gefühlt einer Ewigkeit zu ihr gekommen war und ihr mit kummervollen Augen vom Leid in seinem Land berichtet hatte, sondern eine Selbstverständlichkeit so gut es ging zu helfen.
Für sie war es immer etwas unangenehmes, wenn es darum ging, Geschenke oder Gaben anzunehmen und so war sie froh das Gorix hier die Aufgabe zukam, zu sprechen.
Als er mit dem Kinn auf die schwere Rolle wies, sog sie kurz die Luft ein und holte dann ihr Messer aus der Gürteltasche. Mit geübten Fingern trennte sie das wunderschöne Siegel in einem Stück von seinem Grund, als sei es das Fell eines Kaninchens. Wer nicht wusste, dass das Ausnehmen von Tieren zu ihren priesterlichen Pflichten gehörte, hätte sich sicherlich gewundert, als sie ohne zu zögern kraftvoll und mit einer fließenden Bewegung den Bauch der Rolle aufschnitt.
Zu ihrem Schreck ergossen sich nun viele glänzende Silbermünzen über das dunkle, glatte Holz des Tisches. Erstaunt und bewundernd nahm sie eine von ihnen in die Hand und betrachtete diese näher, bevor sie ungläubig nur: "Ich, ihm, ich, Gorix?" hervorstammelte.
Ihr Blick wanderte nun von der Münze zu ihrem Gatten bis hin zu Arnaud.

Online Berengar von Thurstein

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Antw:Boten für Feuerklinge
« Antwort #33 am: 29. Jan 20, 21:25 »
Der Bote des Grafen ließ sich ob der Verlegenheit der Baronin nichts anmerken und wartete geduldig, bis der Herr dieses Hauses die Zeilen des Baumeisters gelesen hatte. Das Prasseln der Münzen auf die Holzplatte entlockte ihm ein dankbares Lächeln und ehe einer der beiden wirklich antworten konnte, kniete der Soldat aus dem fernen Land vor Baron und Baronin Feuerklinge nieder und fügte dem Brief seines Herrn hinzu "Wenn ihr gestattet, so will auch ich ganz persönlich euch danken. Meine Familie war persönlich von dem Angriff betroffen, und eure großzügige Geste der Freundschaft hat sie überdauern lassen. Die Untertanen des Grafen kennen eure Namen, und mein Herr hatte wahrlich keine Mühe, freiwillige für diese Sendung zu finden."
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

"Jemand, der behauptet, er kenne keine Furcht, ist entweder ein Narr, oder ein Lügner."