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Autor Thema: Das Leben ist ein Würfelspiel...  (Gelesen 736 mal)

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Offline Berengar von Thurstein

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Das Leben ist ein Würfelspiel...
« am: 28. Jan 20, 13:26 »
Am Tag nach der Abreise aus der Schutzhütte schrieb Berengar einen kurzen Brief und sandte diesen mit den anderen zurück in die Heimat. Die Dinge, die er mit Vanion, Gorix, Svenja und Damian besprochen hatte, mussten so bald wie möglich ins Rollen gebracht werden, wenn sie bis zum Frühjahr ausgeführt werden sollten.

Sein Lehensherr würde wissen, wie er mit diesen Informationen umgehen musste. Und in ein paar Wochen würde er wissen, wo er diesen Sommer verbringen würde: das vierte Jahr des Fluches, oder der Krieg in Hanekamp.
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

"Jemand, der behauptet, er kenne keine Furcht, ist entweder ein Narr, oder ein Lügner."

Offline Berengar von Thurstein

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Antw:Das Leben ist ein Würfelspiel...
« Antwort #1 am: 07. Feb 20, 11:42 »
Als den Grafen von Quellengrund die Zeilen seines ersten Ritters erreichten, entließ er die Abordnung der Gilde der Steinmetze, welche sich zu einer Beratung über die Nutzung der Steinbrüche von Quellengrund im nahenden Frühjahr bei ihm eingefunden hatte, und begab sich in sein ruhiger gelegenes Arbeitszimmer im Ostflügel seines Stammsitzes. Dort brach er das Siegel, faltete das Papier auf und strich es glatt. Seine Augen ruhten auf dem Text und dem Schriftbild des Herrn von Thurstein-Köhlersruh, und nahmen jede Abweichung im gewohnten Schwung der Linien wahr. Erfassten somit auch die Stimmung des Schreibers, während er seine Informationen auf das Papier gebracht hatte.

Nach einer Weile legte er den Brief auf seinem Zeichentisch ab, drehte seinen Stuhl zum Fenster und lehnte sich mit Ausblick auf den Sonnenuntergang im Westen seiner Ländereien zurück. Eine Weile lang war sein Gesicht ausdruckslos, doch als es im Raum zu dunkel wurde, um ohne Kerzenschein noch etwas schreiben zu können, fasste er einen Entschluss, und erhob sich. Seine Schritte führten ihn zu einem Schreibpult. Wenig später hatte er drei Marschbefehle verfasst, einen Verlegungsbefehl und eine Kommandanturverfügung. All dies bündelte er mit einem Geflecht aus Kordeln unter einem Siegel und versah alles mit einem Schreiben an den Bannerhernn der Ostmarschen, den Herzog von Hammerthal persönlich.

Die Haustruppen der Grafschaft, welche er für die Angelegenheit in Voranenburg einbringen würde, würden im kommenden Sommer durch Staatstruppen für die Heimatfront ersetzt werden müssen, doch entgegen der allgemeinen Wahrnehmung achtete er Klaras Zusage an den Grafen von Voranenburg auch nach der Anullierung ihrer Verbindung so, als habe er selbst den ursprünglichen Plan gefasst. Der Herzog würde seine eigenen Schlüsse aus dem Ganzen ziehen, seine Entscheidung betreffend der Einmischung im Ausland jedoch teilen. Sie hatten das Ganze angefangen, und nun würden sie dazu stehen. Mit der Verlegung Bewaffneter an die Front zwischen Graf und Herzog im ehemaligen engonischen Reichsgebiet, würde Lichttal bald einem historischen Ereignis entgegen sehen: Militärische Einmischung im Ausland.
« Letzte Änderung: 07. Feb 20, 11:58 von Berengar von Thurstein »
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

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Offline Berengar von Thurstein

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Antw:Das Leben ist ein Würfelspiel...
« Antwort #2 am: 20. Feb 20, 21:06 »
Die Depeschen des Grafen erreichten schließlich die Hauptstadt des Ostens, den Herzogssitz Hammerthal, und durchliefen dort die Hände einiger hochrangiger Mitglieder des herzoglichen Haushaltes. Darunter die des Herolds Hendrick vom Weiher und des Grafen Enrico vom Henkersberg, des Inquisitors Anselm von Streitzick und schließlich die des Ordensritters Arnaud von Rothenfels, Freiherr vom grünen Hügel. Nachdem sie alle eine Einschätzung und einen Ratschluss hinzugefügt hatten, gelangten alle diese Papiere schließlich auf das Schreibpult des Bannerherrn und Herzogs der Ostmarschen, und dieser bestellte sich nach gründlicher Lektüre die Harlekine Bruder Ezekiel und Bruder Argus ein, um sich mit ihnen zu beraten.

"Quellengrund hat sich also dazu entschlossen, dieses heikle Erbe der Magistra anzutreten, und sich für eine Stationierung seines ersten Ritters und einiger Haustruppen in der Nähe des Frontverlaufes zwischen Voranenburg und Hanekamp auszusprechen? Interessante Entwicklung." Die Stimme des Mannes drang hinter seiner schwarzen Maske mit dem starrenden Auge auf der Stirn hervor, ohne hierdurch weniger verständlich zu sein. Er sah den Herzog und seinen Ordensbruder an, der mit einer Stimme wie in Flammen prasselndem Pergament bedächtig antwortete "um das dort stationierte Lazarett zu verstärken und eine Wachmannschaft zu stellen. Ich halte dies für keine allzu gewagte Sache. Der Mann hat seine harschen Momente, aber ist doch im allgemeinen recht verständig und besonnen." Argus nickte Ezekiel auf seine Antwort hin zu. Dann sahen sie beide den Herzog von Hammerthal an.

"Er hat sein Lehen gut aufgestellt und sein Herr hat die jüngste Kriese nicht zuletzt mit Hilfe aus Feuerklinge in Voranenburg gemeistert. Die Magistra hatte immer gute Gründe für ihr Handeln, und ich selbst sehe kein Hindernis, diese Befehle zu siegeln und zu unterzeichnen. Ihr habt viel Zeit in ihrer unmittelbaren Nähe verbracht. Lasst uns über die Situation mit diesen Herrschaften dort im Ausland sprechen, und uns in aller Ruhe beraten." Und das taten sie. Zwei ganze Tage lang.

Schließlich wurden Befehle nach Drachenwacht und zum Hakenwall gesandt, ebenso nach Schwertfegeraue und zur Flammenbinge. Befehle, welche den Kasemattkreuzer "Flamme der Vorsehung" in Alarmbereitschaft versetzen und das 13. Sappeursregiment Quellengrund anweisen würden, einen Zug Schanzknechte bereit zu stellen. Befehle, welche in Drachenwacht das zweite Garnisonslazarett in Marschbereitschaft setzen und in Hakenwall die Scharfschützen abziehen würden. Hinzu kämen Anweisungen zur Ausrüstung und Verpflegung, und das ganze bis zur Mitte des dritten Monats mittelländischer Zeitrechnung, damit sie bei einer Antwort auf ihr Angebot aus Voranenburg bereit wären, zu verlegen.

Der letzte Befehl würde nach Thurstein-Köhlersruh gelangen, kurz bevor Berengar sein Wiegenfest begehen wollte.
« Letzte Änderung: 22. Feb 20, 18:16 von Berengar von Thurstein »
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

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Offline Berengar von Thurstein

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Antw:Das Leben ist ein Würfelspiel...
« Antwort #3 am: 20. Feb 20, 21:54 »
Nach Voranenburg sandte der Herzog schließlich seine beiden verlässlichsten Männer, Bruder Argus und Bruder Ezekiel vom Orden der Harlekine selbst, um das Angebot der Magistra Klara an das Haus Voranenburg zu erneuern. Zusammen mit diesem Angebot sandte er eine genaue Auflistung aller Bewaffneten, die er entsenden würde, der Mittel, welcher sie sich würden bedienen können, und die Frage, welchen Hafen die Flamme der Vorsehung würde anlaufen können, um die Truppen nahe an ihr Ziel zu bringen. Er versicherte das Vorhandensein ausreichender Mittel, um sich vor Ort alles Benötigte kaufen zu können, und somit keinen Unmut über Soldaten aufkommen zu lassen, die sich an der lokalen Bevölkerung schadlos halten würden.

Nun hieße es warten, mit welcher Antwort die Boten zurückkehren würden. Immerhin konnte er sicher sein, dass sie unbeschadet und unbemerkt ihr Ziel erreichen, und eine Antwort zurückbringen konnten.
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

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Offline Berengar von Thurstein

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Antw:Das Leben ist ein Würfelspiel...
« Antwort #4 am: 01. Apr 20, 21:19 »
Schließlich kamen die Vorbereitungen auf den Heerzug gen Süden zu ihrem Ende, und im Kriegshafen von Drachenwacht lagen nun die "Flamme der Vorsehung" als Flaggschiff der südlichen Expeditionsflotte, die "Schwur der Treue" und die "Gericht der Verdammten" als Geleitschutz, sowie die "Licht der Morgenröte" als Transportschiff bereit. Waffen, Ausrüstung, Proviant und die Kriegskasse waren sicher verstaut, die Mannschaften geheuert, die Soldaten im Hafen kaserniert, und der Abschied von der Heimat genommen.

Nun musste lediglich noch die Nachricht aus Voranenburg eintreffen, und die Angehörigen des Adelsbanners zum Dienst befohlen werden, und es würde in See gestochen.
"Der Krieg hinterlässt uns um so Vieles ärmer, als er uns vorgefunden hatte."

"Jemand, der behauptet, er kenne keine Furcht, ist entweder ein Narr, oder ein Lügner."