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Autor Thema: Bernadettes Abschied  (Gelesen 1468 mal)

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Offline Drakonia Noximera

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Bernadettes Abschied
« am: 23. Jan 18, 20:46 »
Es war ein kalter Nachmittag, als sie sich entschied, dass es endlich so weit war. Es waren schon Wochen, seit sie den Brief bekommen hatte, und kein Tag war vergangen, ohne dass sie drüber nachgedacht hatte. Bernadette schaute durch das Fenster in die Stadt, dann zurück zu der Papierrolle, die sie tausendmal gelesen hatte. Es war ein Brief aus Frostford.

Sie wusste, dass sie nicht die einzige war, die beim Bürgerkrieg versteinert wurde, noch war sie die einzige, die wieder erwacht wurde. Jetzt wusste sie aber auch, dass viele große Figuren der Inquisition und des Senats, sowie mehrere Kultisten und Hexen zurück waren und dass es eine Frage der Zeit war, bis der Krieg weiter ging. Die Großinquisitorin Illona von Weidenbruch hatte ihr den Brief geschickt. Bernadette solle zurückkommen, stand da. Zurück nach Hause, wo sie gebraucht wurde, wo ihr alles vergeben worden war und wo sie erneut anfangen konnte.

Seit Wochen hatte sie überlegt, was sie nun tun musste, ohne jemandem etwas darüber zu erzählen. Jeden Morgen beim Sonnenaufgang betete sie zu Alamar – und zu Cronn, obwohl er sich zurückgezogen hatte - und jeden Abend zu Severta, dass sie ihr den Weg weisen. Aber die Götter schwiegen und irgendwann wurde ihr klar, dass sie diese Entscheidung alleine treffen sollte.

Sie wusste nicht richtig, wo sie hingehörte. Das einzige, was ihr klar war, war, dass sie, Illona von Weidenbruch und alle anderen, die aus dem Stein erwacht wurden, überhaupt nicht mehr hier gehörten. Sie hätten längst nur noch Erinnerungen aus einer anderen Zeit sein sollen, nichts mehr als Namen in den Geschichtsbüchern. Und doch waren sie hier, entrissen von ihrer Zeit, verflucht und auf sich gestellt. Bernadette hatte gedacht, dass sie einen Platz in der Welt gefunden hatte, wo sie gut reinpasste, aber wenn sie ehrlich sein wollte, hatte sie sich nie richtig daran gewöhnt. Sie vermisste ihr Zuhause viel zu viel. Das Kloster, die Tempel in der Hauptstadt, alles, was sie einmal gekannt hatte. Voranenburg war nicht Frostford und konnte nie zu ihrer Heimat werden.

Sie dachte an alle, die sie zurücklassen würde, wenn sie gehen sollte. Damian und Leonie, Hadrian und Lothar, die ganzen Engonier, die sie bei sich aufgenommen hatten und ihr eine Chance auf einen neuen Anfang gegeben hatten. Sie wusste gut genug, dass sie jede Hilfe gebrauchen konnten, die sie bekommen konnten, besonders nach den Sachen, die sie über diesen Lich gehört hatte. Sie dachte an alle, die sie vielleicht nie mehr sehen würde. Und dann an das, was sie in Frostford erwartete. Ihr Heimatland im Krieg, ihre Kirche am Rand des Überlebens, ihre Ordensbrüder und –schwester verfolgt und gejagt, frei herumlaufende Hexen und Kultisten. Und die Großinquisitorin, vor der sie Angst hatte.

Bernadette schaute zu dem kleinen Gegenstand, den sie zusammen mit dem Brief bekommen hatte. Es war ein Reinheitssiegel der Inquisition ihrer alten Kirche. „Severta leite uns / strahle dein Licht in der Dunkelheit“ stand darauf. Der Siegel war mit dem persönlichen Wappen der Inquisitorin von Weidenbruch gestempelt. Illona hatte ihr nicht nur Vergebung für ihren Fehler angeboten – sie bat ihr eine Novizenstelle bei sich an. Bernadette wusste, dass, sollte sie diese annehmen, ihr nicht viel im Weg zur Position des Großinquisitors in Zukunft stehen würde. Und trotzdem war sie unschlüssig. Hatte sie nicht geschworen, sie würde einen anderen Weg gehen? Oder wäre es möglich, die ganze Inquisition Severtas mit auf diesen Weg zu nehmen?

Aber die Wahl war schon getroffen. Sie seufzte, setzte sich am Schreibtisch, nahm einen Blatt Papier und ein Feder und fing an zu schreiben. Es fiel ihr schwer, die Worte auf das Papier zu setzen.

„Flamen Magnus Solis Alamariani,

wenn Ihr diesen Brief liest, werde ich weit von hier sein. Ich habe mich entschlossen, Voranenburg zu verlassen und zurück nach Frostford zu reisen. Ich bedanke mich für alles, dass Ihr für mich getan habt und wünsche Ihnen viel Glück in diesen dunklen Zeiten. Es fällt mir schwer, dieses Land zu verlassen, jetzt wo die abscheulichen Diener Szivars und der Lich den Frieden bedrohen; ich muss aber meine Schwur zu meiner Heimat halten und für Frostford kämpfen, wenn der lange befürchtete Krieg dort beginnt.

In der Kirche Alamars habe ich Toleranz und Verständnis gelernt und dies werde ich zu der Inquisition Severtas mitnehmen; denn die Inquisition muss sich ändern, damit sie nicht selbst zum Feind des Frostfordischen Imperiums wird und sich in dem verwandelt, wovor sie das Land schützt. Vielleicht ist ein einziger Mensch nicht genug, um ein ganzes Orden zu ändern; aber vielleicht, nur vielleicht, könnte die Inquisition in einigen Jahrzehnten anders sein, toleranter und verständnisvoller, und dann würde keine befürchten, dass auch Unschuldige umgebracht würden.

Ich kenne Euch noch nicht gut genug um zu wissen was Ihr über meine Entscheidung denken würdet. Es ist mir klar, dass ich in den Augen von vielen als Verräterin erscheinen werde; aber ob ich die richtige Wahl getroffen habe, wissen nur die Götter und die Zukunft wird zeigen, ob es ein Fehler war.

Habt Dank für alles und wisst, dass ich immer an Eure Seite stehen würde, solltet Ihr meine Hilfe brauchen.

Bernadette Lena-Marie Eisinger“


Langsam ging sie zu der Kiste, wo ihre alte Bekleidung war. Die Novizenrobe der Inquisition war noch da, wo sie sie gelassen hatte, so wie die heiligen Büchern der Zwillingsgötter Cronn und Severta, das zerbrochene Schwert von Jarvick, ihrem ehemaligen Priestervater, und der Anhänger mit den Wappen der zwei Götter auf den beiden Seiten. Sie zog die alte Robe wieder an, sammelte die Bücher in ihrer einfachen Stofftasche und hängte die Kette an ihren Hals. Dann schloss sie die Kiste wieder und ging zum Fenster, um ein letztes Mal einen Blick über die Stadt zu werfen.

Bald würde die Sonne untergehen, die Priester und de Novizen würden sich für das Gebet versammeln und merken, dass sie fehlte. Sie sollte lieber schneller gehen. Ein Ding über ihr selbst war ihr klar und sie hasste diese Schwäche – sie hatte nie in ihrem Leben den Mut gehabt, persönlich Abschied von jemandem zu nehmen. Deswegen ließ sie den Brief auf dem Tisch und ging leise aus dem Zimmer und dann aus dem Gebäude heraus.
Das Schwierigste nach einer Con - die Mitbewohner zu überzeugen, dass das arme, nasse, graue Ding, dass im Badezimmer hängt, eigentlich eine Cosplay Perücke ist und keine vergewaltigte Ratte.

"Das ist KEIN Kreis! Kehre diese KARTOFFEL sofort wieder weg!!!"